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25 Nov 2015

EUROSAFE läuft zu Hochtouren auf – und sticht in See

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Ein Bericht über ein Seminar, das zum 16. Mal stattfand und alles – außer „gewöhnlich“ – war.

neumann-150x150Der Morgen des 23.September 2015 zeigt sich am Ostsee-Fährhafen Travemünde sehr ruhig. Das Wetter ist sonnig und die Temperaturen mild als sich 25 Spezialisten zu einem zweitägigen Workshop der EUROSAFE GmbH treffen. Natürlich gibt es einen Ablaufplan, aber der wird durch die Teilnehmer in vielen Punkten im Verlauf des Seminars mit Themen ergänzt.

Nach der Begrüßung durch Wolfgang Neumann, Geschäftsführer der EUROSAFE GmbH und Präsident des EU-Sachverständigenverbandes EUMOS, geht es zügig zur Sache.

 

Verantwortung und Delegation von Pflichten

Die Rechtslage in Deutschland und die damit verbundenen Ausprägungen für Industrieunternehmen werden durch den Rechtsanwalt Hans-Leo Bock eindrucksvoll über die vollen 4 Stunden an Krapoth_Ladungsicherung_Eurosafedie Teilnehmer aus der Führungsriege verschiedenster Unternehmen vermittelt. Detaillierte Fragen zur betrieblichen Organisation und zur Delegation von Pflichten werden besprochen und beantwortet. Besonders bei der Tatsache, dass Verantwortung nicht übertragbar, sondern immer nur teilbar ist, wird deutlich, dass alle auf der Versenderseite im Fokus der Gerichte stehen. Schnell sind die 4 Stunden vorbei und gerne hätte man noch weiter zugehört. Kaum jemand ist in der Lage den Menschen in den Betrieben ein so schwieriges Thema so verständlich zu machen, wie der Strafrechtler Hans-Leo Bock. Nur wollte er nicht unbedingt auf dem Schiff bleiben. Da er bereits schon auf der Ostsee intensiv den Wellengang erforschen durfte, blieb er dann an Land.

Der „Container der Zukunft

Plötzlich steht er da – der „Container der Zukunft“ und scheint unvermeidbar zu sein.

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Der Kontainer der Zukunft

Die Teilnehmer kommen aus dem Staunen nicht heraus. Verwunderung macht sich breit: Dieser nagelneue 20-Fuß Container hat keinen Holzboden, sondern einen „Stahlboden“ und dazu Zurrpunkte „ohne Ende“.

Kaum ein anderes Objekt scheint so viele Fragen wie auch Antworten in sich zu haben, wie dieser Supercontainer neuester Bauart der Hapag-Lloyd. Die Verfügbarkeit von Hölzern, aus denen Containerböden produziert werden, ist begrenzt. Würde man alle ca. 11 Mio. Container weltweit auf einen Schlag erneuern, würde wohl kaum noch ein Baum in der Tundra oder in Asien stehen. Auch der Einsatz von Bambus ist nicht ganz banal, das weiß jeder, der schon mal mit Bambus versucht hat, einen Container zu kreieren. Dieser ist nur in einer bestimmten Zeit des Wachstums zu verarbeiten, da er sonst zu weich oder auch zu hart ist. Daher erklärt sich auch die Rohstoffverknappung. Eurosafe_Hanau_Zurrpunkte
Ein wichtiges Thema – auch im Kontext mit dem neuen „Code of Practice“- der in diesem Workshop ebenfalls eine gewisse Dominanz hatte.

Eurosafe_Hanau_Zurrpunkte_2Den Container-Reeder schmerzt es sehr, wenn mangels Vorhandensein von Zurrpunkten mit einem Schussapparat Stahlnägel in die Holzböden geschossen werden. Bei genauerem Hinsehen würde dies unser Anwalt als Sachbeschädigung interpretieren können.

Daher sind die nun ergriffenen Veränderungen unausweichlich, zumal aufgrund des Stahlpreises ein 20-Fuss-Container auch in der Neuanschaffung nur noch bei ca. 2.000,-€ liegt.

Je nach Containerausstattung werden 9-10 Zurrpunkte an Boden und Dachkonstruktion (an jeder Seite) angeboten. Die Belastbarkeit pro Zurrpunkt liegt bei 2.000 daN. EUROSAFE konnte das Thema Zurrpunkte in einem ersten Forschungsprojekt mit der FH Flensburg unter Herrn Prof. Krapoth betrachten. Hier wurden bereits bestehende Standardcontainer im Gesamtsystem zusammen mit einem flexiblen Rückhaltesystem über eine Finite-Elemente-Berechnung genauer untersucht. Dazu an anderer Stelle mehr.

Die Reise ist noch nicht angetreten und die Teilnehmer nehmen wieder im Seminarraum Platz, in dem die Diskussionen anfangen sich zu überschlagen.

„Uns vom Havariekommando bemerkt man gar nicht“

Ruhe kehrt ein, als Michael Friedrich vom Havariekommando Cuxhaven klarstellt, dass es in Deutschland eine außergewöhnliche und vermutlich weltweit einzigartige Einrichtung gibt: Das Havariekommando der Bundesrepublik Deutschland mit Standort Cuxhaven.
Nach den Worten des Pressesprechers Herrn Michael Friedrich, untersteht dieses direkt dem Verkehrsministerium und wird durch die Bundesländer finanziell getragen.Eurosafe_Schaden_Hochsee_Ladungssicherung

Nach der Darstellung von nationalen und internationalen Zuständigkeiten setzt Herr Friedrich einige ganz klare Akzente, die auch von dem Leiter des Havariekommandos Herrn Monsees, gesetzt wurden. „Uns vom Havariekommando bemerkt man gar nicht.“ Nur wenn es ernst wird auf der Nord- und Ostsee oder den wichtigen Wasserstraßen Deutschlands, weiß jeder wer das Sagen in der „heißen Phase“ hat. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass dies von den Ministerien so gewollt ist und auch gesteuert wird. Viel beeindruckender ist, dass dieses Selbstverständnis durch die gebündelte Kompetenz des Havariekommandos einen sehr engen Zusammenhalt gibt: Den muss man nicht befehlen. Der ist einfach da und zwar immer, wenn man ihn braucht.

Wie außergewöhnlich die Verfügbarkeit solcher Einsatzkräfte ist, wird klar nach der Präsentation verschiedener Havarien der letzten Jahre (z.B. Pallas, Flaminia). Sobald etwas auf den Schiffen zu Havarien führt, gehen Boote, Hubschrauber und Schwimmkräne auf die Reise zum Einsatzgebiet. Hier werden innerhalb von wenigen Stunden die Strategien für die weiteren Rettungsschritte gelegt. Stimmt das nicht auf Anhieb, so kommt es möglicherweise zu noch größeren Schäden.