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13 Jun 2016

EUROSAFE in der Schweiz

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Den Letzten beissen die Hunde…

Richard_Knaus_EUMOS

Richard Knaus, Mitinitiator, Fachbuchautor, Sachverständiger

So die Abschlussworte auf dem 1. Schweizer Industriesymposium in Luzern am 2.6.2016 von Herrn Richard Knaus, Mitinitiator, Fachbuchautor, Sachverständiger und EUMOS-Mitglied. Dies ist auch der Status Quo bezüglich dem Thema Ladungssicherung in der Schweiz. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz zeigen jedoch mit einem aktuellen Urteil aus dem Jahr 2014 auf, dass die Unternehmerhaftung auch für den Schweizer Verlader Realität geworden ist. Herr Prof. Schaffhauser zeigte die Rechts-Situation für den Chauffeur und den Verlader auf. Lange Zeit wurde der Fahrer nicht nur für die mangelhafte Ladungssicherung angezeigt, vielmehr musste er auch bezüglich einer mangelhaften Verpackung und der daraus folgenden fehlenden Umsetzbarkeit zur Ladungssicherung haften. Richard Knaus etablierte das Thema Ladungssicherung in der Schweiz systematisch bereits vor vielen Jahren. Nun im neu erschienenen Buch „Auf Achse“.

Rechtliche Situation von Chauffeur und Absender

Daher ist das Thema Ladungssicherung und Verpackung, die möglichen Konsequenzen bei Unstimmigkeiten, in der Schweiz wie auch in anderen Europäischen Ländern, ganzheitlich zu bewerten. Obwohl es bei uns schon erste zivilrechtliche Urteile gibt, sind weitere Entwicklungen in der Schweizer Rechtsprechung abzuwarten.

Betrachtet man dies im Kontext mit dem deutschen Rechtssystem, so fällt auf, dass die Rechts-sprechung vom Amtsgericht bis zum BGH diese Zusammenhänge bei Kontrollen, Schäden und Unfällen bereits systematisch bewertet. Vielleicht ein Grund warum in Deutschland das Thema Ladungssicherung zur Logistik gehört, wie das Anschnallen beim Fahren eines PW’s.

Polizei in der Schweiz und in Europa

Herr Markus Walser, Leiter der Schwerlastgruppe Kantonspolizei Graubünden, zeigte auf wie die Polizei zumindest in Graubünden mit dem Thema Ladungssicherung umgeht. Begründet durch die noch in Entwicklung befindliche Rechtslage ist ein Vorgehen bei Kontrollen bisher nur gegenüber dem Fahrer möglich. Wir würden gerne konsequenter gegen den eigentlichen Verursacher von mangelhafter Ladungssicherung und Verpackung vorgehen, sind aber noch nicht so weit wie in Deutschland. Hier müssen wir die Industrie auf einen Wechsel vorbereiten, so Markus Walser. Wir wollen auch mehr beraten um die verladende Industrie aufzuklären. Dies findet manchmal Anerkennung aber zu viele ziehen sich in die Komfort-Zone zurück. „Als Verlader kann mir nichts passieren!“ Daher ist es verständlich wenn wir in diesem Fall „null Toleranz“ auf die bereits bestehende Toleranz zeigen. Besonders schwere Vergehen ziehen automatisch eine Strafanzeige nach sich. Sicher wird das nicht überall gut geheissen. Aber ist man sich bewusst, was eine mangelhafte Ladungssicherung oder schlechte Verpackung für ein Leid auslösen kann, wird jeder klar denkende Mensch verstehen, das sich auch in der Schweiz was ändern muss. Bisher appellieren wir an die Eigenverantwortlichkeit von Unternehmen die Ware produzieren und verladen. Jedoch wiederspricht es jeglicher Rechtslogik den Chauffeur bewusst auf eine „gefährliche und manchmal auch tödlich endende Reise“ zu schicken.

 

Was kann die Versicherung am besten?

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Herr Christoph Kamber von der Allianz Suisse Versicherungsgesell-schaft.

Zahlen! So die Eingangsworte von Herr Christoph Kamber von der Allianz Suisse Versicherungsgesellschaft. Natürlich ist es das Ziel schadensfreie Transporte bei unseren Kunden der Allianz zu ermöglichen. Aber nicht alle Zwischenfälle lassen sich vermeiden. Hier ist nicht nur die Ladungssicherung eine Ursache für Schäden. Vielmehr beginnt dies schon bei der Verpackung und der dann aufgebauten Ladeeinheitenbildung. Dafür benötigt der Kunde aber Know-how, die Ressourcen und auch bereits Basisvoraussetzungen. Daher sind Prüfnormen wie die EUMOS 40509:2012 auch ein wichtiger Baustein in Europa. Hier kann bereits im Vorfeld geklärt werden ob meine Ladeeinheit überhaupt transportierbar ist. Die systematische Betreuung der Allianz-Kunden und daraus abgeleitete Strategien helfen die Sicherheit auf den Strassen deutlich zu verbessern.

Prozessoptimierung ist „das Thema“ bei der Transportsicherheit in Europa

Mit zertifizierten Ladeeinheiten-Systemen lassen sich Prozesskosten einsparen – und zwar nachhaltig – so Herr Dr. Christian Rohm, CEO der DUO PLAST. Hier geht man auch neue Wege. DUO PLAST hat eines der modernsten Prüflabore in Europa implementiert, das völlig unabhängig von der Mutter-gesellschaft arbeitet. Man hat sich entschieden mit dynamischen Beschleunigungversuchen ein Prüfprozedere für Ladeeinheiten zertifizieren zu lassen. Die Prüfungen der DUO LAB werden durch den Deutschen Akkreditierungsrat (DAkkS) überwacht, damit wird der neutralen Prüfeinrichtung Rechnung getragen.

Um Ladungen transportieren zu können muss man sich zuerst Klarheit über die Produktwegprozesse verschaffen. Daher kann aus dem einfachen Ladungsträger heute eine intelligente Logistiklösung entstehen. So möchten Global Player nicht nur Paletten kaufen, sondern vielmehr das gebundene Kapital reduzieren, die Arbeitsprozesse optimieren und bereits bei der Planung reduzieren. Herr Dr. Sachs, CEO der Gebhardt Logistic Solution GmbH, zeigte dem Auditorium Erfolgskonzepte auf.

Erst wenn das alles bereits im Vorfeld beleuchtet worden ist, können wir in der Industrie unsere Auslieferungsprozesse optimal gestalten, so Herr Ulrich Neff von der Nestle Suisse S.A. Frisco Findus Buissnes Unit. Dieser „abgerundete Block“vermittelte den Teilnehmern ein enorm hohes Know-how.

 

Unfälle und Schäden im Bereich Verpackung und Ladungssicherung

neumannHerr Wolfgang Neumann, Präsident des EU-Sachverständigenverbandes EUMOS und Geschäftsführer der EUROSAFE GmbH in Deutschland zeigt auf wie Unfälle passieren können. Es sind häufig unkontrollierte Abläufe der handelnden Personen. Die Fehler in den Prozessketten führen zu

hohen Schäden und manchmal auch zu sehr viel Leid. So wurde von Unfällen aus der jüngsten Vergangenheit berichtet, die auch Todesfälle herbeigeführt haben. Wer ist dann verantwortlich? Der Verlader, der Fahrer, die Geschäftsführung? Fest steht, das Bussgeldverfahren oft am Fahrer hängen bleiben. Jedoch bei ernsten Fällen mit Personenschaden, so Richard Knaus, Mitglied im Europäischen Sachverständigen-Verband und Fachbuchautor „Auf Achse“, sind zunächst alle betroffen. Die Fokussierung geht aber immer in die Führungsebene von Fahrern oder Verladern.

Eines der wichtigsten Aspekte in der Ladungssicherung und bei der Verpackung ist die Ausbildung von Fahrern, Verladern und Trainern. Wenn man nur Formeln vermittelt erreicht man die Menschen nicht mehr. Diejenigen welche sich mit dem Thema befassen brauchen verbindliche Unterweisungen, besondere Sachkenntnisse und auch Umsetzungshilfen um das Tagesgeschäft bewältigen zu können. Voraussetzung ist aber eine ausreichend stabile Transportverpackung.

 

Wie geht es weiter?

Die Symposiums-Teilnehmer waren sich einig, dass in Luzern ein Grundstein für eine Weiterentwick-lung der Ladungssicherung und Verpackung in der Schweiz gelegt wurde. Mehr erfahren Sie auf dem 3. Schweizer Ladungssicherungs-Symposium am 19. Mai 2017 in Arbon oder im Mai 2018 wieder in Luzern!